Tonabnehmer für Saiteninstrumente
Auf dieser Seite möchte ich zeigen, dass man sogar Gitarren und Tonabnehmer selber bauen kann!
oder gleich weiter zum Gebrauchsmusterschutz "Tonabnehmer f. Saiteninstrumente"
Eines Tages (Anfang d. 80er) traf ich einen alten Jugendfreund wieder, Peter Wagener ("Piwie"). Ich studierte inzwischen, er hatte es als junger Architekt inzwischen zu
bescheidenem Wohlstand gebracht.
Er hatte eine kleine Mansardenwohnung als "Musikstudio" eingerichtet, ein Schlagzeug, einige E- und A-Gitarren, Verstärker, Gesangsanlage, Effektgeräte und ein 3-Kopf-Spulentonbandgerät.
Ich habe bis dahin auf einer akustischen "Luxor"-Gitarre mehr schlecht als recht vor mich hin geschrammelt. Wir beschlossen gemeinsam Musik zu machen, aber ich konnte mit E-Gitarren nichts anfangen,
meine Sperrholzgitarre kam aber nicht gegen sein Schlagzeug an.
Mein großer Traum damals war eine "Ovation", heute bin ich froh, dass mir da das Geld für so ein Sch...-Plastikteil gefehlt hat. Aber ich bin ja Bastler: mir fiel ein Buch von Helmuth Lemme: "Gitarrenelektronik" in die Hände. Fortan wickelte ich Stunde um Stunde dünnen Kupferdraht um Permanentmagnete, so mancher alte Trafo
musste dran glauben. Zwar hatte ich mit Nylonsaiten nie was am Hut, aber auf meine Western mussten E-Gitarrensaiten aufgezogen werden, ein schlechter Kompromiss, und das verstärkte Ergebnis klang immer noch muffig.
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Magnet Pickups, gewickelt...
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vergossen...
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furniert
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Bis dahin glaubte ich immer noch, die Ovation habe irgendwo einen Magnet-Pick Up versteckt, bis ich das Geheimnis erfuhr: Piezos im Steg!
Woher Piezo-Kristalle bekommen? Die gerade aufkommenden Einwegfeuerzeuge mit Piezozündung erweckten mein Interesse:
Ich schlachtete eins aus, lötete irgendwie 2 Drähte dran, klemmte ihn probeweise unter eine Saite kurz vorm Steg, und am Verstärker klang es plötzlich knackig wie die "sagenhafte" O.!
Das Versuchsobjekt war 1 cm hoch, 5 mm im Durchmesser, daher zum Einbau in den Steg ziemlich ungeeignet. Also trampte ich zur Hannovermesse, ließ mir an der Info alle Firmen, die
was mit Piezos zu tun hatten, ausdrucken und fand am Stand der "Rosenthal AG" (genau, die mit dem schönen Tafelservice, aber auch das besteht aus Kristall) den Zulieferer von "Schaller", zu
dieser Zeit DEM Lieferanten für nachrüstbare Pick Ups !
Merkwürdigerweise nahm man mich relativ ernst, versprach mir, einige Piezokristall-Plättchen zur Probe zu schicken! 3 Wochen später waren die Proben da, bald zusammengelötet, die
Ergebnisse waren dafür, dass ich weder Elektroakustiker noch Gitarrenbauer, Elektroniker o. ä. war, ziemlich überwältigend!
Wagener & Wallnig = wawa music 
Auch Piwie war schnell überzeugt, unterstützt durch weit zurückliegende Dankbarkeit gegenüber meinem Vater. Ich durfte mir eine kleine Werkstatt in der Mansarde einrichten, er überließ mir
seine Instrumente und Verstärker zum Experimentieren, richtete mir sogar ein Konto mit 4stelliger Summe für Investitionen ein!
Und nicht zuletzt: alles gegen den ausdrücklichen Willen seiner Frau, wie ich viel später erfuhr!
Wir waren wild entschlossen, eine kleine Firma zur Entwicklung und Herstellung von Tonabnehmern für akustische Gitarren zu gründen, da schlug das Schicksal brutal zu: Piwie hatte
einen folgenschweren Unfall, ich erhielt eine Referendariatsstelle, um meine Ausbildung als Lehrer zu beenden, die mich zeitlich voll beanspruchte.
Ergebnis dieser sehr schönen und arbeitsintensiven Zeit: alle Gitarren meines Sponsors und mein Sperrholzteil waren elektrifiziert, 3 bis 4 "Probekunden" (ausgestattet mit lebenslanger Garantie) waren recht zufrieden. Und nicht zuletzt: ich habe erste Schritte im Gitarrenbau getan, indem ich
eine Billigstgitarre völlig auseinander gerissen, die Einzelteile auf ein Mindestmaß zurecht gesägt und wieder zusammengeleimt habe, natürlich ausgerüstet mit einem wawa-PU, um mir und dem
Rest der Welt zu beweisen, dass meine Pick Ups den letzten Schrott wieder zum Klingen bringen. Natürlich stellte sich heraus, dass es eine Illusion war, aber die Urform meines "Babys“ war
geboren, das Ergebnis war - allen gitarrenbautheoretischen Grundregeln zum Trotz - ziemlich gut.
Mein zweites "Baby"
Meine erste Gitarre mit massiver Fichtendecke! Schweren Herzens trennte sich Roberto Kremer (Gründer des "Gitarrenladens“ in der Gartenstraße in Göttingen) von jahrelang abgelagertem
Tonholz, anfangs glaubte er noch, ich würde das kostbare Material zum Bau einer "Juckulele" missbrauchen. Als ich ihm ca. 1 Jahr später das Ergebnis vorstellte, war er aber ehrlich
begeistert (wohl eher über die elektrischen als die akustischen Eigenschaften).
Der Hals war aus Restbeständen industrieller Fertigung für eine 12-Saitige entstanden, von mir am Kopf auf 6 Mechaniken gekürzt, in der Breite einer 6-Saitigen angepasst und das Profil auf
meine Hand abgestimmt. Der Boden ist leicht gewölbt, recycelt aus einem Kaufhausteil. Der Rest ist komplett selbst gebaut und entworfen. Um die Zargen in Form zu biegen habe ich mir ein
termostatgesteuertes Biegeeisen aus einem alten Bügeleisen und jeder Menge Blei (u.a. aus alten Abwasser-Syphons) gebaut:
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Termostatgesteuertes Biegeeisen
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Das Winkelprofil im Vordergrund war der Rest eines Türschwellers vom R4!
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An die fertige Zarge werden die "Reifchen" geleimt
Die fertige "Schachtel" und die vorbereitete Decke, die Schallloch-Verzierung, selbst aus Furnierstreifen hergestellt, liegen bereit
Links vom Halsklotz habe ich dann ein Loch in die Zarge gesägt, die eine als "Schublade" ausgebildete Elektronikeinheit aufnimmt, die den Doppeltonabnehmer (s. Gebrauchsmusterschutz, Zeichnung 5)
mittels Umschalter und (selbst entworfenen u. in SMD-Technik aufgebauten) Vorverstärker "aufmischt".
Weitere gitarrenbauerische Aktivitäten:
Zwei Akustik-Bassgitarren, zusammengesetzt aus einem E-Bass-Hals und einem Dreadnaught-Body, natürlich mit wawa-Pick Up und -Elektronik, die erste habe ich verkauft, die
zweite mit einem „Classic“-Body (ähnlich einer „Jumbo“, aber etwas kleiner), bisher noch ohne Elektronik.
Zwei Ukulelen, Hals aus Mahagoni (ehemals Fensterrahmen), der Rest aus Sperrholz (ohne Elektronik):
"Annabell de Lyxe", die ich baute, nachdem ich mich von der ersten Ukulele, die ich für die damals 10jährige
Annabell als Weihnachtsgeschenk baute, nur sehr schwer trennen konnte...
Doch jetzt zum Pick Up, den ich eigentlich nur beim Patentamt angemeldet habe, um nicht mit anderen Schutzansprüchen zu kollidieren:
Ich möchte hier die Urschrift meines am 25.10.1990 beim Deutschen Patentamt eingetragenen Gebrauchsmusterschutzes zunächst unkommentiert vorstellen (bei Interesse folgt später evtl.
mehr). Seit ca. 1997 ist es frei, da es mir nicht gelang, es kommerziell umzusetzen, vermutlich weil ich immer alles selber machen wollte bzw. das finanzielle Risiko gescheut habe, den Pick Up
industriell herstellen zu lassen.
Das ich aber etwas Interessantes gefunden habe, zeigt die Anzeige in einem amerikanischen Fachblatt ca. 2 Jahre nach meiner Anmeldung (der Schutz galt nur für Deutschland, wo ich eine solche Anzeige nie gesehen habe!)
Interessant daran sind die 3 letzten Zeilen links unten: "The SST reproduces the natural tones of your instrument; its vertical placement allows all three
vibrational axis to be amplified precisely". Auf deutsch findet man das in meinen Schutzansprüchen fast wörtlich wieder!
zu der Beschreibung des Piezo-Pick Ups
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